mal drüber nachgedacht

Fleisch macht krank

Es ist allgemein bekannt, dass unsere Nahrung nicht nur einen großen gesundheitlichen Einfluss hat, sondern zudem auch unser Verhalten beeinflusst. So neigt jemand, der zuviel gegessen hat, zu Müdigkeit und Trägheit. Wird zuwenig gegessen, macht sich häufig ein unruhiger, nervöser Zustand bemerkbar.
Wichtig ist jedoch nicht nur die Menge der zugeführten Nahrung. Auch was wir essen, wirkt sich entsprechend auf unser Verhalten aus.

Fleisch ist ein Stück Lebensqualität wird uns suggeriert. Es fällt jedoch auf, dass Fleischesser, insbesondere Rindfleischesser, häufiger zu Wut, Angst und Gewalt neigen, als Vegetarier. Fleischesser neigen ebenfalls eher dazu, Kriege zu befürworten, Waffen zu besitzen und diese auch zu gebrauchen. Einige von ihnen gehen gerne zur Jagd. Es macht ihnen Spaß, Tiere zu töten, nur um sie als Trophäe an die Wand zu hängen. Einige Fleischesser denken, dass Tiere grausam behandelt werden dürfen, ohne dass das Konsequenzen für sie hat. Aber warum ist das so?

Gewebe speichert Emotionen

Gewebe ist in der Lage, Emotionen zu speichern. Diese Erkenntnis wurde durch Organtransplantationen gewonnen. Viele Empfänger von Organspenden berichten darüber, daß sie die Emotionen ihrer Spender empfinden. Sogar Erinnerungen mit entsprechenden Stimmungen der Spender werden erlebt.

Das ist deshalb möglich, weil die Organe in der Lage sind, Energie zu speichern. So wird z.B. bei einer Herztransplantation die emotionale Energie des Spenderherzens freigesetzt und der Empfänger erlebt nun diese Emotionen erneut. Alle Gewebe und Organe unseres Körpers sind in der Lage, diese emotionale Energie zu speichern, egal ob es sich hier um die Leber, Haut, Muskeln oder um das Blut handelt.


Negative Emotionen und Fleischverzehr

Dieselbe Übertragung von Emotionen geschieht auch dann, wenn wir Fleisch oder Organe von Tieren essen. Die Energien und Emotionen, die in diesen Geweben gespeichert waren, werden ebenfalls vom menschlichen Körper aufgenommen. Und diese Energie, die sich im Fleisch der Tiere eingeprägt hat, beeinflußt nun die Stimmung, das Verhalten und das Bewusstsein desjenigen, der dieses Fleisch verzehrt hat.

Wenn die Tiere zum Schlachthaus gebracht und dabei mit Gewalt konfrontiert werden, erleben sie Emotionen, wie Panik und unermessliche Angst. Diese Emotionen werden als negative Energie in ihrem Gewebe gespeichert. Das Fleisch enthält dann die Energie von Gewalt, Angst und Hoffnungslosigkeit.

Nehmen wir das Beispiel Amerika: Ist es Zufall, dass die Amerikaner, die dieses Fleisch zu sich nehmen, genau dieselben Emotionen erleben, wie die geschlachteten Tiere? Des Weiteren stellen sich die Fragen, warum so viele Amerikaner den Krieg unterstützen, in den Schulen so viel Gewalt herrscht und das Land generell von so viel Angst geprägt ist.

Schutz vor emotional belasteten Fleisch

Normalerweise empfinden wir Menschen es grundsätzlich nicht als grausam, Fleisch zu essen. Wir haben gelernt, uns von dem jeweiligen Tier, das wir gerade verspeisen, vollständig zu distanzieren. Das hat damit zu tun, dass wir den Schinken, die Salami oder jede andere Wurst isoliert betrachten und überhaupt nicht mit dem Schwein, das das Fleisch liefert, in Verbindung bringen.

Außerdem vergessen wir gerne, wie diese Tiere im Schlachthaus behandelt werden. Hätten wir den Mut und würden wir uns die Mühe machen, uns mit der Situation der Tiere im Schlachthaus zu befassen, würden wir wahrscheinlich sehr schnell komplett auf den Fleischverzehr verzichten. Das hätte – neben dem Rückgang der Massentierhaltung – auch noch den Vorteil, dass wir vor der Aufnahme dieser schrecklichen Emotionen geschützt wären.

Auf jeden Fall ist es zu empfehlen, den Fleischverbrauch einzuschränken und darauf zu achten, dass Fleisch und Wurstwaren ausschließlich von Tieren aus artgerechter Haltung gekauft werden.

Noch besser ist es allerdings, über eine vegetarische Ernährung nachzudenken.

Vorteile einer pflanzenorientierten Kost

Bei den Menschen, die ihre Ernährung entsprechend umgestellt haben, zeigen sich auch Veränderungen in ihren Emotionen. Eine pflanzenorientierte Ernährungsweise hilft dabei, ausgeglichener, zuversichtlicher und friedfertiger zu werden. Zudem findet automatisch eine Bewusstseinserweiterung statt.

Das liegt daran, daß auch in Pflanzen Informationen gespeichert sind. Vorausgesetzt, die Pflanzen sind nicht gespritzt oder genmanipuliert, so handelt es sich bei diesen Informationen ausschließlich um die positiven Informationen der Natur. Sowohl das Sonnenlicht, dem die Pflanze ausgesetzt ist, als auch das Wasser und die Nährstoffe, die die Pflanze über das Erdreich aufnimmt, werden von unserem Körper aufgenommen. Auf diese Weise wird jedes Gewebe in unserem Körper mit dieser positiven Energie versorgt.

Zukunft der Menschheit

So grausam wir heute mit den Tieren umgehen, so gehen wir letztendlich auch mit uns, mit unseren Mitmenschen und mit unserer Umwelt um. Bei dieser Thematik geht es nicht ausschließlich um die Tiere. Es geht vielmehr auch um Ethik, um Mitgefühl und darum, daß wir endlich erkennen sollten, dass alle lebenden Systeme untrennbar miteinander verbunden sind.
Durch unser Essverhalten quälen wir demnach nicht "nur" die Seelen unserer Tiere – auch unsere Seelen sind zwangsläufig involviert.

Natürlich können wir die ganze Welt mit Steaks und Hamburgern versorgen – für eine bestimmte Zeit jedenfalls. Wir können den gesamten Regenwald abholzen und in Weideland verwandeln. Für ein paar Generationen wird das schon gehen. Aber dann ist es vorbei, denn die gesamte Umwelt wird irreparabel zerstört sein.

Daher ist es jetzt wirklich an der Zeit, dass wir zu einer ganzheitlichen Sicht gelangen. Wollen wir eine Zukunft haben, müssen wir über einen nachhaltigen Weg nachdenken. Dazu gehört u.a. das Einschränken des Fleischkonsums. Dazu gehört aber auch Energieeinsparung. Dazu gehört, daß wir aufhören Unternehmen, die unseren Planeten und damit unsere Zukunft zerstören, zu unterstützen. Dazu gehört, daß wir uns um unsere Gesundheit kümmern etc.
Wir sind verpflichtet, die erforderlichen Änderungen vornehmen, die unsere Welt in Frieden weiterleben lässt.

und jetzt auch noch die Nazis…

ein bisschen schmunzeln musste ich schon, als ich die „neuen“ Nationalisten jetzt mit schwarz-grüner Fahne getarnt sah um für Tier- und Heimat, sry, Naturschutz zu kämpfen. Die besondere Kreativität ihrer Querfront-Taktik, zeigt sich deutlich in ihren originellen Aufklebern wieder. Antispeziesismus lehnt den Gedanken der Vormachtsstellung des Menschen, auf Grund seiner Intelligenz..etc. gegenüber dem Tier ab. Genau diese Einstellung wollen uns die neuen Nationalisten durch „beabsichtigte“ Rechtschreibfehler anscheint näher bringen. So sind sie gegen eine DaRseinsberechtigung von Atomwaffen. Stellt sich meinerseits die Frage, ob Dinge, die keine Daseinsberechtigung haben, abgeschossen werden sollen, wie es im Bild eindeutig zu sehen ist *gg*. Ein ähnlicher Rechtschreibfehler findet sich auch bei hier: wieder. Sei Fair und lass den Tieren eine Chance!
Stellt sich mir jetzt doch die ernstgemeinte Frage, ob es nicht den Tieren egal ist, aus welchen politischen Gründen man sich für ihren Schutz einsetzt und eine vegane Lebensweiße praktiziert. Sollte man sich in diesen Punkt vielleicht doch mit den Nazis vereinen und gemeinsame Sache zum Wohle unsere Tiere und Umwelt machen? NEIN! Die neuen Nationalisten greifen das Thema auf, um einerseits damit ihre hetzerischen Ansichten unter die Menschen zu bringen und andererseits, sich vom alten Bild des Neonazis in Springerstiefel, Bomberjacke und Glatze los zu lösen. Wir sind doch gar keine Unmenschen, wir sind sogar Tierlieb..Wärs glaubt… . Vom ideologischen Standpunkt passt es sogar recht gut in ihr völkisches Menschenbild. Birgt nicht der Fleischkonsum die Gefahr, dass das Blut nicht mehr rein ist? Unser deutsches Blut *gg* ernährt durch fremde Rassen..Tierrassen? Auch Argumente wie, dass Germanen von Natur aus sehr tierlieb waren, was die Reichstierschutzgesetze von 1933 bestätigen sollen, sind alles andere als antispeziesistisch. Vielmehr ging es doch in den verabschiedeten Gesetzen darum, das Schächten zu verbieten, weil es eben jüdische Tradition ist.
Antispeziesismus und Veganismus beinhaltet weitaus mehr ethisches Grundverständnis, als neue Grenzen zwischen Menschen und ihren natürlichen Verhältnis zur Umwelt zu ziehen. Weder das damalige Deutsche Reich, noch das jetzige Deutschland/Europa verzichtet vollkommen auf Fleisch. Die Einstellung zum Fleischkonsum lässt sich durchaus nicht durch die natürliche Ungleichheit der Menschen festmachen, denn genau hier liegt der Punkt, bei dem sich unsere lieben pflanzenfressenden Nazis als Rassisten outen.
Alle Menschen sind gleich. Alle Menschen sind von Natur aus keine FleischesserInnen und alle Menschen haben die Möglichkeit sich vegan zu ernähren. Wir kämpfen für das Recht aller Menschen und aller Tiere. So wie der Mensch nicht durch Grenzen eingesperrt und diskriminiert werden will, so wollen noch weniger unsere Tiere Opfer dieser kapitalistischen Gesellschaft sein.
Ein weitere Punkt, warum meiner Meinung nach ein nationaler Gedanke unvereinbar mit einer freien Tiergesellschaft ist, ist eben derer, dass wir mehr verändern müssen als sich für Tierrechte ein zu setzen. Was nützt es, wenn TierrechtlerInnen Tiere aus Käfigen befreien, diese ihren natürlichen Instinkt Flucht nachkommen und auf der nächsten Straße überfahren werden? Wir haben unseren Tieren ihren natürlichen Lebensraum weg genommen. Wir müssen dafür kämpfen, ihn so weit wie möglich wieder hier zu stellen. Hierfür bedarf es mehr als nur eine geistige Revolution im Kopf jedes Einzelnen. Wir müssen uns wieder mehr auf Mutternatur beziehen und die Menschen aufklären.
Da VeganerInnen und TierrechtleInnenr in der heutigen Gesellschaft durch die kapitalistische Hetzpresse schon genug mit Vorurteilen geplagt sind und schwer damit zu kämpfen haben, sich überhaupt irgendwo Gehör zu verschaffen, ohne gleich als Hippiespinner und Unkrautesser denunziert zu werden, ist es, so denke ich besonders wichtig, sich von Anfang an von den in schwarz-grün getarnten Nazis zu differenzieren und dagegen an zu kämpfen.
Wäre es für unsere Gegener nicht ein gefundenes Fressen und zusätzlich noch als Nazis beschimpfen zu lassen?

Ich suche Menschen, die vielleicht Lust haben, mit mir eine Aufklärungsseite, bzw. allgemeine Aufklärungsarbeit gegen die neuen Rechten zu leisten. Auch eine allgemeine Erklärung aller AntispeziesistInnen gegen eine Zusammenarbeit mit den Nazis zu erarbeiten wäre sinnvoll.

Bis dahin…
die vegane Welle…

Mein Körper – Mein veganer Tempel

Auf der Internetseite von http://no-racism.net habe ich heute einen interessanten Artikel gefunden, der verschiedene Parallelen zwischen Veganismus und Essstörung betrachtet.Essstörung
Ich denke, dass es zunächst wichtig wäre zu definieren, was überhaubt essgestört ist. Was Norm und vorallem Abnorm ist, definieren nicht wir, sondern die herrschende Gesellschaft über uns (Ärzte, Regierung, Gesundheitsbehörden) .
Jegliches Essverhalten, was von unseren bisherigen Vorstellungen der westlichen Esskultur abweicht, liese sich als Krankheit dekladieren. Doch ist es nicht krank, dass der Mensch sich als die bessere Spezies ansieht, gezielt Tiere züchtet um sie später qualvoll zu ermorden und zu verspeißen?
Ohne das Problem der Essstörung verharmlosen zu wollen, aber trägt nicht vielleicht der hohe Fleischkonsum auch wesentlich mit dazu bei, dass in den meist überernährten westlichen Gebieten der Welt immer Frauen und Männern an Essstörungen erkranken? Fleisch macht krank und der Verzehr von toten Tieren beeinflusst auch erheblich unser psychisches Wohlbefinden. Stresshormone, die das Tier kurz vor vor seiner Hinrichtung vermehrt produziert, lassen sich im Fleisch nachweisen. Psychische Erkrankungen haben viele Ursachen, so wie dies auch der nachfolgende Text wieder spiegelt. Viele Menschen, die sich vegan oder vegetarisch ernähren, bestätigen, dass sie sich freier und leichter fühlen. Ein gutes Verhältnis zum Körper wirkt präventiv Essstörungen und andere Erkrankungen vor.
Deshalb denke ich, dass sich Magersucht und Bulemie gut mit einer veganen Lebensweise kompensieren lassen, auch wenn dadurch noch nicht die wahren Ursachen bekämpft werden
Die Machtverhälfnisse, Lookismus und die fehlende Eigenständigkeit von Mensch und Tier machen diese Gesellschaft krank. Ohne die Bekämpfung der herrschenden Strukturen ist diese Gesellschaft dem Untergang geweiht.
vegan

[ 09. Jun 2009 ]
Mein Körper – Mein veganer Tempel
Eine feministische Betrachtung der möglichen Risiken und Nebenwirkungen veganer Ernährung.
Ein Artikel der sich mit der Verbindung von Veganismus und Essstörungen auseinandersetzen will, muss sich zunächst einmal von einigen Vorannahmen abgrenzen. Erstens geht es hier nicht darum den plumpen Vorwurf, dem vegane Menschen häufig ausgesetzt sind, zu wiederholen, dass Fleischessen natürlich sei, und der Verzicht auf tierische Produkte deshalb automatisch einer Essstörung, im Sinne einer ‚nicht-natürlichen‘ Lebensweise gleichkomme. Und zweitens geht es hier nicht darum eine inhaltliche Position zum Thema Anti-Speziezismus einzunehmen. Vielmehr geht es darum aus einer feministischen Perspektive einen Aspekt veganer Ernährung zu beleuchten, der zwar mitten im Raum steht, aber trotzdem meist übersehen wird: nämlich die markante Ähnlichkeit der Dynamik von Essstörungen mit dem Umgang mit Veganismus bei – nicht nur aber vor allem – Frauen.

Sarah sitzt in am WG Küchentisch und isst Torte. „Mona kommt herein und sagt: Mhmm, das schaut ja lecker aus!“. Sarah: „Ja, die hab ich von meinen Eltern mitgebracht. Magst auch ein Stück?“ Mona darauf: „Das geht leider nicht. Ich bin…
- auf Diät
- vegan
(bitte ankreuzen)

Für die meisten Frauen ist Essen ein Thema. Kaum eine die nie eine Diät gehalten hat, sich gefragt hat, ob sie sich noch ein Stück Torte nehmen soll, sich beobachtet gefühlt hat beim Pommes-frites essen. Kaum eine die nie auf Kummer mit nichts mehr essen oder mit umso mehr essen reagiert hat. Kaum eine die nicht phasenweise gehungert, gekotzt, geschlungen oder zumindest daran gedacht hat. Kaum eine deren Verhältnis zu Essen vollkommen unkompliziert ist, frei von Schuldgefühlen, ausschließlich bestimmt von Lust und Kalorienaufnahme. Kaum eine Frau deren Hunger keine Geschichte hat.
Essstörungen sind nicht auf herrschende Schönheitsideale zu reduzieren. Dünn oder dick zu sein ist weniger eine Frage der Attraktivität als der, wie viel Raum eine Frau einnimmt – und dass Raum für Frauen begrenzt ist ist kein Geheimnis. Hunger handelt von Begehren, davon was ich will von der Welt – und davon wie viel mir zusteht. Wie hungrig darf ich sein, wie viel kann ich erwarten, was darf ich verlangen? Das sind bittere Fragen, vor allem für Frauen, denen dabei ganz besonders oft der Appetit vergeht.

Vegan zu sein ist definitiv cool. Nicht nur die die sich in ihrem politischen Engagement mit Tierrechten auseinandersetzen, sondern auch viele die mit dem Kampf gegen Speziezismus sonst nicht viel am Hut haben, ernähren sich vegan. Schon die Formulierung ‚vegan sein‘ – im Gegensatz zu ‚vegan essen‘ weist darauf hin, dass der mögliche Distinktionsgewinn dadurch nicht zu unterschätzen ist. Diät zu halten ist da schon weniger cool. In einer Szene in der von jeder Frau erwartet wird das Patriarchat zumindest im Kopf bereits überwunden zu haben ist es kaum möglich zuzugeben, dass das eigene Wohlbefinden auch vom Gewicht abhängig gemacht wird.

Essstörungen sind immer auch ein Versuch ein System in die eigene Ernährung zu bringen. Wenn das Gefühl für sich selbst so wenig vorhanden ist, dass ein simples ‚ich habe Hunger – ich esse‘ nicht mehr funktionieren kann, dann bietet eine Essstörung eine alternative Orientierung. Das können gezählte Kalorien sein, das Herausspeiben der Nahrung oder der Versuch einfach jeden Tag das gleiche zu essen – in jedem Fall bietet das System Halt. Vegane Ernährung erfüllt die selben Kriterien, auch sie bietet Halt und Orientierung, macht das Angebot sich mit dem Essen wohl zu fühlen, weil klar ist welche Nahrungsmittel gegessen werden dürfen und welche nicht – zu wissen was ist gut für mich und was nicht.

An dieser Stelle ist es notwendig den Charakter dieser Verbindung zwischen Veganismus und Essstörungen näher zu beleuchten. Wie eingangs festgestellt geht es hier definitiv nicht um eine Gleichsetzung von Veganismus und Essstörungen. Es geht hier auch nicht darum eine Kausalität zwischen den beiden herzustellen – weder führt vegane Ernährung automatisch zu gestörtem Essverhalten noch werden alle, für die Essen in irgend einer Form ein Problem darstellt vegan. Die Verbindung um die es hier geht ist mehr die einer ähnlichen Dynamik, in der die Art wie essgestörte Frauen mit Nahrung umgehen oft dem Umgang veganer Frauen mit Nahrung gleicht.

Für den Brunch wurde viel vorbereitet, der Tisch ist reich gedeckt. Anna schaut irritiert. Sie nimmt sich ein bisschen grünen Salat, Karotten und einen Apfel. Grantig sagt sie: „Das kann ich echt alles nicht essen. Ich bin…
- auf Diät
- vegan
(bitte ankreuzen)

Wie in den kleinen Ratespielen die im Text verstreut sind – und die wir, die Autorinnen, übrigens ausnahmslos alle selbst erlebt haben – gleichen sich oft Situationen mit Frauen die vegan sind und mit Frauen für die Essen ein Problem darstellt – so wie sich auch das Gefühl der Beklemmung ähnelt dass sich dabei bei uns als feministischen, im Umgang mit Essstörungen sensibilisierten Frauen einstellt. Einbildung? Nur unser Film? Ein Besuch in veganen Foren bestätigt unseren Verdacht. Wer dort unter ‚vegan + Essstörung‘ sucht findet viele Einträge in denen Frauen von ihrer persönlichen Geschichte berichten – von der 15jährigen die denkt dass sie sich wenn sie vegan essen würde vielleicht auch ohne Erbrechen ‚rein‘ fühlen könnte, bis hin zu vielen Frauen, die davon erzählen wie Veganismus eine Ersatzdroge für ihre Essstörung wurde.

‚Rein‘ zu bleiben ist ein wiederkehrendes Motiv in vielen Frauenleben. In einer Welt die – gerade zu Frauen – oft nicht freundlich ist, in denen selbstbestimmtes Leben schon gegen die Mauern im eigenen Kopf rennen muss, scheint die Kontrolle über den eigenen Körper oft der einzige Weg auf sich selbst aufzupassen. Wenn ich mich vor sexualisierter Gewalt, Zukunftsängsten oder Einsamkeit nicht schützen kann, dann kann ich mich doch immerhin davor schützen die Kontrolle über meinen Körper zu verlieren, kann darauf achten mir nur gesunde – gute Produkte – zuzuführen, kann aufpassen dass nichts schlechtes in mich eindringt. Viele Frauen leben in einem latent gewalttätigen Umfeld und achten peinlich genau darauf, kein ungesundes Gramm Fett zu viel zu sich zu nehmen.
Vegane, die bis auf die letzte E-Nummer kontrollieren dass ihnen nur ja kein tierisches Spurenelement zu nahe kommt, erinnern an diese Vorsicht. Der Körper muss rein bleiben von den schlechten tierischen Produkten, darf nicht verunreinigt werden, muss beschützt werden. Mein Körper – mein Tempel, der rein gehalten werden muss auch wenn es draußen stürmisch ist.
„Aber ich find Fleisch und Milch einfach grauslich“ ist der gängige Einwand an diesem Punkt der Diskussion. Aber genau hier liegt eine weitere Parallele: Auch anorektische Frauen finden Fett grauslich. Sie ekeln sich vor dicken Kuchenglasuren, Fettaugen auf der Suppe und cremigen Desserts und sind gleichzeitig fasziniert davon. Niemand kennt so viele tierische Produkte wie Vegane, niemand kann so gut Kalorientabellen erstellen wie essgestörte Frauen. Es ist nicht ungesund manche Lebensmittel nicht essen zu wollen – aber es ist problematisch viele Lebensmittel nicht essen zu dürfen. Wenn aus einem ‚das mag ich nicht essen‘ ein ‚das kann ich nicht essen‘ wird, dann wird aus einer selbst gewählten Entscheidung ein Zwang – und Zwängen sind Frauen auch im Bezug auf Ernährung schon genug ausgesetzt.

Natalie und ihre Mitbewohnerinnen kochen gemeinsam. Susanne will die Sauce ohne Butter und Schlagobers kochen. Natalie denkt verächtlich: „Ja, jetzt tut sie wieder so korrekt! Dabei ist sie gar nicht so konsequent. Ich hab genau die leere Eis Packung auf ihrem Schreibtisch gesehen. Die soll nicht so angeben, die ist ja gar nicht wirklich…
- auf Diät
- vegan
(bitte ankreuzen)

Mit dem Ekel und der Faszination kalorienreichen Nahrungsmitteln gegenüber kommt auch der Stolz diese nicht zu essen – stärker zu sein, sich zurückhalten zu können, sich unter Kontrolle zu haben. Mit diesem Stolz kommen auch die missgünstigen Kommentare unter Frauen, die Blicke welche wie viel isst. Für eine dicke Frau gehört viel Mut dazu öffentlich Eis zu essen. Kleine Frauen, leichte Frauen, dünne Frauen haben es leichter, ihnen wird ihr Hunger aufs Leben leichter verziehen. Frauen die sich ‚zu viel‘ nehmen werden dafür bestraft – ob es ums Essen, um Sex, Aufmerksamkeit oder Erfolg geht. Viele Frauen kennen den Stolz des Verzichts – und dieser Stolz wird auch durch vegane Ernährung hervorgerufen. Kein sehr gesunder Stolz allerdings, weil er uns nicht stark und groß sondern bloß bescheiden und unbefleckt zurück lässt.

Nein, nicht immer bedeutet vegane Ernährung Verzicht. Wir bestreiten keineswegs dass es möglich ist lustvoll, reichhaltig und im Übrigen sehr lecker vegan zu essen. Lustfeindlich ist es also keineswegs – wenn aber auch kein hemmungsloser Genuss.

Clara setzt sich zu ihrer besten Freundin Elisabeth und jammert: „Jetzt hab ich zu Ostern schon wieder soviel Milchschokolade gegessen! Ich war zu Hause, und obwohl meine Mutter genau weiß dass ich das nicht mag hat sie so viel Süßzeug gekauft. Und ich kann dann natürlich nicht Nein sagen. Mir ist das ja eigentlich total wichtig, aber ich schaffs einfach nicht konsequent zu bleiben.“ Elisabeth zeigt sich mitfühlend: „Ja, das kenn ich. Meine Mutter versteht auch nie, dass ich…
- auf Diät bin.
- vegan bin.
(bitte ankreuzen)

Frauen, die Erfahrungen mit Essstörungen haben, wissen wie es ist, wenn die ganze Aufmerksamkeit nur mehr ums Essen kreist, wenn die erste und die letzte Frage an jedem Tag die ist was heute zu sich genommen werden darf, wenn in all dem Nebel kein Platz ist für größere Fragen. Die, die diesem Nebel entkommen sind haben oft ein feines Gespür dafür wenn die Frage nach dem Essen in ihrem Leben wieder zu viel Platz einnimmt. Natürlich wissen wir nicht wie viele Frauen Erfahrungen mit Essstörungen gemacht haben und jetzt vegan essen. Aber die, die es tun gehen ein hohes Risiko ein, das Risiko Essen wieder zum Zentrum ihres Selbst zu machen, wenn auch unter anderen, politisch höher bewerteten Spielregeln.
Für manche scheint vegan zu essen allerdings auch eine Art Kanalisierung ihrer Essstörung darzustellen. Wenn durch den Verzicht auf tierische Produkte die Grenzen klar genug abgesteckt sind, dann ist es manchmal möglich innerhalb dieses Feldes wieder besser für sich zu sorgen, sich darum zu kümmern dass der Körper genug Nahrung bekommt und sich etwas Gutes zu tun.
Daran ist nichts auszusetzen, im Gegenteil, jede Praxis die Frauen hilft besser für sich zu Sorgen ist begrüßenswert. Schwierig wird es dann, wenn wieder der Stolz ins Spiel kommt, wenn Frauen die sich zutrauen alles und noch viel mehr zu essen mit scheelen Blicken angeschaut werden – „du bist aber hungrig heute?!“ – ein Imperativ der in fast jeder Mädchen-Sozialisation eine Rolle gespielt hat.

Schwierig ist auch, dass vegane Ernährung zwar helfen kann die Essstörung in den Griff zu bekommen, es aber gleichzeitig noch komplizierter macht diese zu thematisieren. Frauen mit Essstörungen werden mit ihrer Krankheit oft allein gelassen, Verwandte oder FreundInnen spielen beim Versteckspiel mit und ermöglichen damit, dass die Krankheit in einer Art Doppelleben ausgelebt wird. Als Veganismus ausgelebte Esstörungen machen es für betroffene Frauen noch schwieriger Hilfe zu bekommen, da jedes Gespräch über den Schmerz der betroffenen Frau erst den Umweg über den Schmerz der Tiere nehmen muss, der offenbar leichter als politisch erfahren werden kann, als die eigene Depression.

Vor der Uni werden Schokoriegel als Werbegeschenke verteilt. Tilda beißt in ihren hinein und schaut plötzlich erschrocken. „Jetzt hab ich einfach abgebissen und total vergessen dass ich ja eigentlich grad versuche…
- Diät zu halten
- vegan zu leben
(bitte ankreuzen)

Essen ist ein politisches Thema – und zwar in mehrerer Hinsicht. Möglicherweise führt der Verzicht auf tierische Produkte zu weniger Tierleid. Möglicherweise ist vegan essen aber auch eine Praxis die sich häufig nicht mit feministischen Grundsätzen vereinbaren lässt: nämlich denen, die sagen dass Politik Frauen stärker, größer und hungriger – im Sinne von neugieriger, auf sich selbst, auf das Leben, auf die Welt und alles was sie zu bieten hat – machen soll. Feministische Politik muss über den Hunger und über den Verzicht von Frauen sprechen. Es ist schwierig die ganze Bäckerei zu wollen wenn schon das kleinste Stück vom Kuchen zu viele Kalorien hat. Wenn wir uns zu viel damit befassen was wir essen verlieren wir zu leicht alles andere aus den Augen – was wir wollen, was wir brauchen, wofür es sich lohnt zu kämpfen.
Essstörungen sind in jedem Fall eine Antwort auf eine frauenverachtende Gesellschaft. Sie können als Widerstand gegen Sexismus gelesen werden, in dem Frauen Normierung ad absurdum führen – „ich soll abnehmen? Dann nehme ich soviel ab dass ich verhungere!“, oder auch als „frau kann garnicht soviel essen wie sie kotzen möchte“ – oder sie können als Krankheiten interpretiert werden, die Frauen in lebensgefährliche Sackgassen drängen, aus denen es kaum einen Ausweg gibt. Vermutlich sind sie beides – sowohl ein Widerstand als auch ein Brechen unter der Norm. Auch wenn Antispeziezismus einen wichtigen theoretischen Beitrag zur Herrschaftskritik leistet, muss die Frage, ob vegane Ernährung, die so sehr mit den Mechanismen des ‚unter der Norm Brechens‘ spielt, wirklich eine emanzipative Praxis sein kann, gestellt werden.
Vegane Ernährung und feministischen Forderungen stehen offenbar häufig in einem Widerspruch zueinander – ein Widerspruch der zwar nicht unbedingt aufgelöst werden muss, der aber nicht ignoriert werden darf. Eine politische Praxis, die Essen so sehr ins Zentrum der Aufmerksamkeit stellt, in der so stark reglementiert wird was Frauen essen, muss sich nicht nur damit auseinandersetzen ob hier Tiere befreit werden, sondern auch damit ob hier Frauen reduziert werden – reduziert auf sich selbst und die Frage „was darf ich heute essen?“. Eine politische Praxis die sich so viel mit Essen auseinandersetzt, und dabei feministische Fragestellungen nicht mitdenkt, muss sich den Vorwurf gefallen lassen antifeministische Politik zu machen.

Selbstbestimmung




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